Acker-Minze

Botanischer Name

Acker-Minze – Mentha arvensis L.

Familie

Lippenblütler (Lamiaceae)


Volkstümliche Bezeichnungen

Ackerminze, FeldminzeDie Bezeichnungen Japanische Minze und Chinesische Minze sollten für die heimische Acker-Minze nicht verwendet werden. Sie beziehen sich gewöhnlich auf mentholreiche Kulturformen von Mentha canadensis.

Wissenswertes zur Pflanze

Die Acker-Minze ist in Deutschland heimisch. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über große Teile Europas und reicht ostwärts bis nach Asien. In Deutschland ist sie in vielen Regionen nachgewiesen.Die Pflanze bevorzugt frische bis feuchte, nährstoffreiche Böden. Sie wächst unter anderem auf Äckern, an Gräben, auf feuchten Waldwegen, an Ufern, auf Schuttplätzen und in zeitweise vernässten Wiesen. Der Name „Acker-Minze“ verweist auf ihr häufiges Vorkommen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Durch Entwässerung, intensive Bodenbearbeitung und den Einsatz von Herbiziden können ihre Bestände örtlich zurückgehen.Die mehrjährige Pflanze wird gewöhnlich etwa 5 bis 30 Zentimeter hoch. Unter günstigen Bedingungen kann sie eine Höhe von bis zu 60 Zentimetern erreichen. Ihre Stängel wachsen niederliegend, aufsteigend oder aufrecht und sind meist verzweigt. Wie viele andere Minzen breitet sich die Acker-Minze zusätzlich über unterirdische Ausläufer aus.Die kurz gestielten Blätter stehen sich am Stängel paarweise gegenüber. Ihre Form reicht von oval bis lanzettlich. Am Rand tragen sie einige grobe, meist nach vorn gerichtete Zähne.Die rosa- bis violettfarbenen Lippenblüten stehen in voneinander getrennten Scheinquirlen in den Achseln vollständig ausgebildeter Laubblätter. Dadurch unterscheidet sich die Acker-Minze von Minzearten, deren Blüten am Stängelende zu dichten, ähren- oder kopfförmigen Blütenständen zusammengefasst sind. Die Blütezeit liegt ungefähr zwischen Juli und September.Beim Zerreiben verströmen die Blätter einen aromatischen Geruch. Dieser wird oft als bergamottartig beschrieben. Ein ausgeprägter Pfefferminz- oder Mentholgeruch ist für die heimische Acker-Minze nicht zwingend charakteristisch.

Inhaltsstoffe

Die Acker-Minze bildet wie andere Vertreter der Gattung ein ätherisches Öl. Seine Zusammensetzung ist jedoch nicht konstant. Sie kann durch Herkunft, genetische Ausstattung, Standortbedingungen und Entwicklungsstadium der Pflanze beeinflusst werden.Das Öl einer wild gefundenen Acker-Minze darf deshalb nicht pauschal mit handelsüblichem Japanischem Minzöl gleichgesetzt werden. Insbesondere kann nicht vorausgesetzt werden, dass es ebenfalls etwa 30 bis 50 Prozent Menthol enthält.Innerhalb der Gattung Mentha treten unterschiedliche chemische Ausprägungen auf. Neben Menthol und Menthon können je nach Pflanze beispielsweise Carvon, Piperiton, Pulegon oder andere Terpene eine größere Rolle spielen. Geruch und Pflanzenname reichen nicht aus, um die genaue Zusammensetzung des Öls festzustellen.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

Für das Kraut der heimischen Acker-Minze besteht keine eigenständige, allgemein anerkannte Arzneidroge im Europäischen Arzneibuch. Auch das ätherische Öl einer beliebigen wild wachsenden deutschen Acker-Minze entspricht nicht automatisch der Arzneibuchdroge:Menthae arvensis aetheroleum partim mentholum depletumDiese Bezeichnung steht für ein auf definierte Weise hergestelltes, teilweise von Menthol befreites ätherisches Öl. Es handelt sich um einen standardisierten pharmazeutischen Ausgangsstoff und nicht um jedes Öl, das aus einer als Mentha arvensis bezeichneten Pflanze destilliert wurde.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Für das Kraut oder ein selbst gewonnenes ätherisches Öl der heimischen Acker-Minze liegt keine eigene Monografie des HMPC vor. Auch die medizinischen Bewertungen für Pfefferminzblätter, Pfefferminzöl oder standardisiertes Minzöl gelten nicht automatisch für diese Wildpflanze.Die Anwendungsgebiete der historischen Kommission-E-Monografie zu Minzöl beziehen sich auf eine definierte Arzneidroge. Sie erlauben keine Übertragung auf frisches oder getrocknetes Kraut der heimischen Acker-Minze.Daher können für die deutsche Wildform auf Grundlage der verfügbaren amtlichen Monografien keine anerkannten Anwendungsgebiete genannt werden.

Traditionelle Verwendung

Verschiedene Minzearten wurden traditionell als Gewürz- und Heilpflanzen genutzt. Solche allgemeinen Überlieferungen ermöglichen jedoch keine sichere Zuordnung zur Acker-Minze. Bei historischen Angaben bleibt häufig unklar, welche Minzeart tatsächlich gemeint war.Aus einer traditionellen Verwendung anderer Minzen lässt sich weder eine nachgewiesene Wirksamkeit noch eine sichere Dosierung von Mentha arvensis ableiten.

Verwendung als Tee

FloraWeb kennzeichnet die heimische Acker-Minze aufgrund ihres bergamottartigen Aromas ausdrücklich als nicht für Tee geeignet. Unabhängig von der geschmacklichen Bewertung fehlt für sie eine amtlich anerkannte Teedroge mit definierter Dosierung.Die Acker-Minze sollte deshalb nicht als gleichwertiger Ersatz für Pfefferminzblätter verwendet werden. Wer einen arzneilichen Minztee einsetzen möchte, sollte auf kontrollierte Pfefferminzblätter beziehungsweise ein zugelassenes oder registriertes Arzneimittel zurückgreifen.

Gewinnung eines ätherischen Öls

Von einer eigenständigen Destillation zur innerlichen oder äußerlichen Anwendung ist abzuraten. Bei einer Wildpflanze sind ohne chemische Analyse weder die genaue Zusammensetzung noch die Konzentration potenziell problematischer Bestandteile bekannt.Auch Verwechslungen und Kreuzungen sind bei Minzen vergleichsweise häufig. Die Gattung gilt botanisch als bestimmungskritisch, weil viele Arten variabel sind und untereinander Hybriden bilden können.Ein selbst destilliertes Öl besitzt daher nicht dieselben nachgewiesenen Qualitätsmerkmale wie ein geprüftes Arzneibuchöl.

Dosierung

Für das Kraut und das ätherische Öl der heimischen Acker-Minze lässt sich keine medizinisch anerkannte Dosierung angeben.Die Dosierungen für Japanisches Minzöl oder Pfefferminzöl dürfen nicht übernommen werden. Das betrifft insbesondere:die Einnahme einzelner Tropfendie Verwendung zur Inhalationdas unverdünnte Auftragen auf die Hautdie Anwendung bei Kindern

Hinweise zur Sicherheit

Für selbst gesammelte Acker-Minze liegen keine ausreichenden Daten vor, um eine medizinische Anwendung allgemein als sicher einzustufen. Besonders von der Einnahme eines selbst hergestellten ätherischen Öls ist abzuraten.Ätherische Öle sind hoch konzentrierte Stoffgemische. Sie können Haut und Schleimhäute reizen, Allergien auslösen und bei falscher Dosierung Vergiftungserscheinungen verursachen. Mentholhaltige Öle können bei Säuglingen und Kleinkindern schwere Atemreaktionen bis hin zu einem Kehlkopfkrampf und reflektorischen Atemstillstand auslösen.Unverdünnte ätherische Öle dürfen nicht in die Augen, auf Schleimhäute oder auf verletzte Haut gelangen. Sie müssen außerdem außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern sollte die Acker-Minze nicht medizinisch eingesetzt werden, da hierfür keine ausreichenden Erkenntnisse zur Sicherheit vorliegen.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Für Zubereitungen aus der heimischen Acker-Minze liegen keine ausreichenden klinischen Daten vor. Daher ist die Formulierung „keine Nebenwirkungen und Wechselwirkungen bekannt“ missverständlich.Korrekt ist:Nebenwirkungen: Aufgrund fehlender Untersuchungen nicht zuverlässig beurteilbar. Bei ätherischen Ölen sind unter anderem Hautreizungen, Schleimhautreizungen, allergische Reaktionen, Magenbeschwerden und Beschwerden der Atemwege möglich.Wechselwirkungen: Nicht ausreichend untersucht. Das Fehlen dokumentierter Wechselwirkungen bedeutet nicht, dass Wechselwirkungen ausgeschlossen sind.