Fenchel


Botanischer Name

Bitterer Fenchel: Foeniculum vulgare Mill. subsp. vulgare var. vulgare

Familie

Doldengewächse (Apiaceae)


Pflanzeninformation

Fenchel stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Bereits seit langer Zeit wird er als Gewürz-, Gemüse- und Arzneipflanze angebaut. Inzwischen ist die Art in zahlreichen gemäßigten und warmen Regionen verbreitet und tritt dort teilweise auch verwildert auf.

Die botanische Gliederung innerhalb der Art Foeniculum vulgare wird nicht in allen taxonomischen Systemen einheitlich gehandhabt. Für die arzneiliche Verwendung unterscheidet das Europäische Arzneibuch insbesondere Bitteren Fenchel und Süßen Fenchel. Der ebenfalls kultivierte Gemüsefenchel, häufig als Foeniculum vulgare var. azoricum bezeichnet, bildet am Stängelgrund fleischig verdickte Blattscheiden. Diese werden als Gemüse genutzt und sind nicht mit den arzneilich verwendeten Fenchelfrüchten gleichzusetzen.

Fenchel ist eine kräftige, aromatisch riechende Pflanze, die je nach Kulturform, Standort und Alter etwa ein bis zwei Meter hoch werden kann. Der aufrechte, verzweigte Stängel ist fein gerillt und im Inneren markig bis teilweise hohl. Die blaugrünen Blätter besitzen deutlich ausgeprägte Blattscheiden. Ihre Blattspreiten sind mehrfach gefiedert und in sehr schmale, nahezu fadenförmige Abschnitte gegliedert.

Die kleinen gelben Einzelblüten stehen in großen Doppeldolden. Fenchel blüht überwiegend während der Sommermonate. Die Blüten werden von zahlreichen Insekten besucht.

Nach der Blüte entstehen längliche, gerippte Spaltfrüchte. Sie bestehen aus zwei miteinander verbundenen Teilfrüchten, die sich bei der Reife voneinander lösen. Botanisch werden diese Teilfrüchte als Merikarpien bezeichnet. Im alltäglichen Sprachgebrauch ist häufig von Fenchelsamen die Rede, obwohl arzneilich und botanisch die Früchte verwendet werden.

Die Teilfrüchte sind meist wenige Millimeter lang und besitzen fünf deutlich sichtbare Längsrippen. Bitterer und Süßer Fenchel ähneln sich äußerlich stark. Süßfenchelfrüchte sind häufig etwas heller und schmecken aufgrund ihrer Zusammensetzung milder und ausgeprägt süßlich.

Der Gattungsname Foeniculum wird auf das lateinische Wort fenum beziehungsweise faenum für Heu zurückgeführt. Die Bezeichnung nimmt vermutlich auf den charakteristischen Geruch der Pflanze Bezug.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

Arzneilich verwendet werden die getrockneten, reifen Früchte:

  • Bitterer Fenchel: Foeniculi amari fructus

  • Süßer Fenchel: Foeniculi dulcis fructus

Beim Zerdrücken der Früchte tritt der typische süßlich-würzige Fenchelgeruch besonders deutlich hervor. Ursache dafür ist das in den Früchten enthaltene ätherische Öl.

Die Herkunft der Handelsware kann je nach Hersteller und Erntejahr wechseln. Fenchelfrüchte werden unter anderem in europäischen, nordafrikanischen und asiatischen Ländern kultiviert. Pauschale Herkunftslisten sind daher nur eingeschränkt aussagekräftig.

Inhaltsstoffe

Die Fenchelfrüchte enthalten ätherisches Öl, fettes Öl, Eiweißstoffe, Flavonoide und weitere sekundäre Pflanzenstoffe.

Zu den wichtigsten Bestandteilen des ätherischen Öls gehören:

  • trans-Anethol

  • Fenchon

  • Estragol

  • Limonen und weitere Terpene

Trans-Anethol ist wesentlich für den süßlichen, an Anis erinnernden Geschmack verantwortlich. Fenchon schmeckt eher bitter und kampferartig. Bitterfenchelöl weist im Allgemeinen einen höheren Fenchongehalt auf als das ätherische Öl des Süßen Fenchels. Bei Süßfenchel tritt deshalb der Geschmack von trans-Anethol stärker in den Vordergrund.

Beide Fenchelformen können Estragol enthalten. Estragol zeigte in Tierversuchen genotoxische und krebserzeugende Eigenschaften. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass eine Tasse Fencheltee beim Menschen unmittelbar Krebs verursacht. Die Europäische Arzneimittel-Agentur empfiehlt jedoch, die Aufnahme vorsorglich so niedrig zu halten, wie es praktisch möglich ist. Dies betrifft besonders Kinder, Schwangere und Stillende.

Qualitätsanforderungen

Das Europäische Arzneibuch enthält Qualitätsanforderungen für:

  • Bittere Fenchelfrüchte

  • Süße Fenchelfrüchte

  • Bitterfenchelöl

  • Bitteres Fenchelkrautöl

Die Arzneibuchmonographien legen unter anderem Anforderungen an Identität, Reinheit und Gehalt des ätherischen Öls fest. Eine pharmazeutische Qualitätsbeschreibung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede Anwendung des jeweiligen Stoffes medizinisch empfohlen wird. Besonders bei Bitterfenchelöl ist zwischen der arzneibuchgerechten Qualität und der medizinischen Nutzen-Risiko-Bewertung zu unterscheiden.

Medizinische Anwendung

Bewertung durch das HMPC

Das Committee on Herbal Medicinal Products der Europäischen Arzneimittel-Agentur stuft Bittere und Süße Fenchelfrüchte als traditionelle pflanzliche Arzneimittel ein.

Aufgrund ihrer langjährigen Anwendung können Fenchelfrüchte verwendet werden:

  • zur symptomatischen Behandlung leichter krampfartiger Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Blähungen

  • zur Linderung leichter menstruationsbedingter Krämpfe

  • als schleimlösendes Mittel bei erkältungsbedingtem Husten

Diese Einstufung beruht auf der langjährigen traditionellen Verwendung. Sie ist nicht mit einem durch umfangreiche klinische Studien gesicherten Wirksamkeitsnachweis gleichzusetzen. Das HMPC weist ausdrücklich darauf hin, dass die klinischen Untersuchungen zu Fenchelfrüchten begrenzt sind. Experimentelle Untersuchungen machen entspannende Wirkungen auf die glatte Muskulatur und eine Unterstützung des Schleimtransports plausibel.

Bewertung durch ESCOP und Kommission E

ESCOP und die frühere Kommission E bewerteten Fenchelfrüchte beziehungsweise ältere Fenchelölzubereitungen insbesondere bei leichten krampfartigen Verdauungsbeschwerden, Blähungen und erkältungsbedingten Atemwegsbeschwerden positiv.

Diese älteren Bewertungen müssen im Zusammenhang mit der aktuellen Estragolbewertung betrachtet werden. Sie dürfen deshalb nicht ohne Einschränkung auf konzentriertes Bitterfenchelöl oder beliebige fenchelhaltige Produkte übertragen werden.

Bitterfenchelöl

Die frühere HMPC-Monographie zu Bitterfenchelöl wurde 2024 zurückgezogen. Grund dafür waren neue beziehungsweise neu bewertete Erkenntnisse zu den genotoxischen und krebserzeugenden Eigenschaften von Estragol.

Nach Einschätzung des HMPC kann die mit den früher vorgesehenen Dosierungen verbundene Estragolaufnahme nicht mehr durch den lediglich traditionell begründeten Nutzen ausgeglichen werden. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis reicht daher nicht aus, um eine europäische Monographie als traditionelles oder allgemein medizinisch anerkanntes pflanzliches Arzneimittel aufrechtzuerhalten.

Das bedeutet nicht, dass Bitterfenchelöl generell verboten ist. Die frühere traditionelle medizinische Anwendung kann jedoch nicht mehr mit der zurückgezogenen HMPC-Monographie begründet werden. Eine eigenständige innerliche Einnahme des konzentrierten ätherischen Öls ist nicht zu empfehlen.

Arzneiliche Zubereitungen

Fenchelfrüchte können unter anderem verarbeitet werden zu:

  • Arzneitee aus zerkleinerten Früchten

  • Teeaufgussbeuteln

  • Trocken- oder Flüssigextrakten

  • Tropfen, Säften oder Sirupen

  • Kombinationspräparaten mit anderen pflanzlichen Drogen

Häufig werden Fenchelfrüchte mit Anis, Kümmel oder anderen traditionell bei Verdauungs- und Atemwegsbeschwerden verwendeten Pflanzen kombiniert.

Fenchelhonig und Fenchelsirup sind nicht automatisch für Kinder jeden Alters geeignet. Maßgeblich sind Zusammensetzung, Zulassungsstatus, Estragolgehalt und Packungsbeilage des konkreten Produktes. Honig darf wegen des Risikos eines Säuglingsbotulismus grundsätzlich nicht an Kinder unter zwölf Monaten gegeben werden.

Dosierung

Für zugelassene oder registrierte Fertigarzneimittel gelten die Angaben der jeweiligen Packungsbeilage.

Nach den 2024 überarbeiteten HMPC-Monographien gelten für einen Teeaufguss aus Bitteren oder Süßen Fenchelfrüchten folgende Orientierungswerte:

Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren

1,5 g zerkleinerte Fenchelfrüchte werden dreimal täglich als Teeaufguss verwendet.

Die Tagesmenge beträgt 4,5 g Fenchelfrüchte.

Diese Dosierung gilt für die traditionelle Anwendung bei leichten Magen-Darm-Beschwerden, menstruationsbedingten Krämpfen und erkältungsbedingtem Husten.

Kinder zwischen vier und zwölf Jahren

Für leichte, vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden oder erkältungsbedingten Husten nennt die HMPC-Monographie:

1 g Fenchelfrüchte mit 100 ml Wasser, dreimal täglich.

Die Tagesmenge beträgt 3 g.

Diese Anwendung ist nur vertretbar, wenn die tägliche Estragolaufnahme den HMPC-Richtwert von 1,0 µg pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschreitet oder eine produktbezogene Risikobewertung mit ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegt.

Bei lose gekauften oder selbst geernteten Fenchelfrüchten ist der tatsächliche Estragolgehalt für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht erkennbar. Gerade bei Kindern sollten deshalb nur entsprechend geprüfte Arzneimittel beziehungsweise Arzneitees nach Packungsangabe eingesetzt werden.

Zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden ist die Anwendung bei Kindern unter zwölf Jahren nicht vorgesehen.

Zubereitung eines Teeaufgusses

Für Erwachsene und Jugendliche:

1,5 g Fenchelfrüchte unmittelbar vor der Zubereitung grob zerdrücken. Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, etwa 15 Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen.

Die Früchte sollten erst kurz vor der Zubereitung zerkleinert werden, damit möglichst wenig ätherisches Öl während der Lagerung verloren geht.

Die ursprüngliche Angabe, das Wasser dürfe nicht kochen, stimmt nicht mit der aktuellen HMPC-Monographie überein. Dort wird ausdrücklich kochendes Wasser genannt.

Dauer der Anwendung

Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren sollen Fencheltee ohne ärztliche Abklärung nicht länger als zwei Wochen anwenden.

Bei Kindern zwischen vier und zwölf Jahren ist die Anwendung auf leichte, vorübergehende Beschwerden und weniger als eine Woche zu begrenzen.

Wenn sich die Beschwerden verschlimmern, wiederholt auftreten oder innerhalb dieser Zeit nicht bessern, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Das gilt insbesondere bei starken Bauchschmerzen, Fieber, anhaltendem Erbrechen, Atemnot, blutigem Stuhl oder anderen ungewöhnlichen Beschwerden.

Hinweise zu Estragol

Estragol wird aufgrund von Tierexperimenten als genotoxisch und krebserzeugend bewertet. Die Übertragbarkeit der Versuchsergebnisse auf die Einnahme üblicher Fencheltee-Mengen beim Menschen lässt sich nicht exakt beziffern. Wegen eines möglichen Risikos empfiehlt das HMPC dennoch eine möglichst geringe Aufnahme.

Für Kinder unter zwölf Jahren nennt das HMPC einen Richtwert von höchstens 1,0 µg Estragol pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.

Für Schwangere und Stillende nennt die aktuelle Monographie höchstens 0,05 mg Estragol pro Person und Tag. Das entspricht 50 µg und nicht 1 mg. Die Angabe von 1 mg im Ausgangstext war somit um den Faktor 20 zu hoch.

Dieser Grenzwert ist nicht als allgemeine Empfehlung zur Anwendung von Fencheltee während Schwangerschaft und Stillzeit zu verstehen. Da die Sicherheit nicht ausreichend untersucht ist, rät das HMPC in dieser Zeit grundsätzlich von einer medizinischen Anwendung ab. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass trans-Anethol in die Muttermilch übergeht.

Anwendung bei Kindern

Kinder unter vier Jahren sollen Fenchelfrüchte nicht als pflanzliches Arzneimittel erhalten, weil ausreichende Sicherheitsdaten fehlen.

Für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren ist eine kurzzeitige Anwendung bei leichten Magen-Darm-Beschwerden oder erkältungsbedingtem Husten nach der HMPC-Monographie grundsätzlich möglich. Voraussetzung ist jedoch, dass die Estragolaufnahme ausreichend begrenzt und produktbezogen beurteilt wurde.

Fencheltee sollte Säuglingen und Kleinkindern nicht dauerhaft als gewöhnliches Getränk oder Ersatz für Wasser gegeben werden. Die arzneiliche Kurzzeitanwendung ist von der regelmäßigen Verwendung als Alltagsgetränk zu unterscheiden.

Gegenanzeigen und Allergien

Fenchelzubereitungen dürfen nicht angewendet werden bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen:

  • Fenchel

  • Anethol

  • andere Doldengewächse wie Anis, Kümmel, Sellerie, Koriander oder Dill

Auch bei einer Beifußpollenallergie können aufgrund möglicher Kreuzreaktionen Beschwerden auftreten.

Nebenwirkungen

Allergische Reaktionen der Haut oder Atemwege sind möglich. Die Häufigkeit lässt sich anhand der vorhandenen Daten nicht zuverlässig bestimmen.

Mögliche Anzeichen sind:

  • Hautrötung oder Juckreiz

  • Schwellungen

  • Husten oder Atembeschwerden

Bei Atemnot, stärkeren Schwellungen oder anderen Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion ist unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich.

Wechselwirkungen

Für Fenchelfrüchte sind bislang keine konkreten Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln berichtet worden. Das bedeutet nicht, dass Wechselwirkungen sicher ausgeschlossen sind. Bei konzentrierten Extrakten, Mehrfachpräparaten oder gleichzeitiger Einnahme mehrerer Arzneimittel sind die jeweiligen Produktinformationen zu beachten.