Himbeere
Botanischer Name
Himbeere – Rubus idaeus L.
Familie
Rosengewächse (Rosaceae)
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Verbreitung und Lebensraum
Die Himbeere ist in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel weit verbreitet. Ihr natürliches Areal umfasst große Teile Europas, Asiens und Nordamerikas. Auch in Deutschland kommt sie wild vor. Sie ist hier keineswegs nur als Kulturpflanze vertreten.
Wild wachsende Himbeeren besiedeln vor allem lichte Wälder, Waldschläge, Gebüsche, Waldränder und andere gestörte oder vorübergehend offene Standorte. Nach Holzeinschlägen kann sich die Art rasch ausbreiten, weil sie von dem erhöhten Lichteinfall profitiert.
Daneben wird die Himbeere in zahlreichen Sorten kultiviert. Ihre Früchte werden frisch gegessen oder beispielsweise zu Konfitüre, Gelee, Saft, Sirup und Fruchtzubereitungen verarbeitet.
Namensherkunft
Die genaue Herkunft des Gattungsnamens Rubus ist nicht abschließend geklärt. In etymologischen Deutungen wird er teilweise mit alten Begriffen für rötliche Früchte oder dornige Sträucher in Verbindung gebracht. Die Herleitung von einer indogermanischen Wurzel mit der Bedeutung „reißen“ ist möglich, aber nicht eindeutig belegt.
Das Artepitheton idaeus bedeutet sinngemäß „vom Ida stammend“. Damit wird traditionell ein Bezug zum Ida-Gebirge hergestellt. Allerdings tragen mehrere Gebirge im Mittelmeerraum diesen Namen.
Auch die Herkunft des deutschen Namens „Himbeere“ ist nicht zweifelsfrei geklärt. Ältere Herleitungen, die den Namen als „Beere der Hirschkuh“ deuten, gelten als unsicher.
Botanische Merkmale
Die Himbeere ist ein sommergrüner Strauch mit einem ausdauernden unterirdischen Wurzelsystem. Sie wird gewöhnlich etwa 50 Zentimeter bis 1,50 Meter hoch, kann an günstigen Standorten aber auch darüber hinauswachsen.
Die Pflanze als Ganzes ist nicht zweijährig. Lediglich die einzelnen oberirdischen Sprosse besitzen bei den meisten wild wachsenden Formen einen zweijährigen Entwicklungszyklus:
Im ersten Jahr entstehen überwiegend unverzweigte, noch nicht blühende Triebe.
Im zweiten Jahr entwickeln diese Triebe Seitenzweige, Blüten und Früchte. Anschließend sterben sie ab.
Aus dem ausdauernden Wurzelsystem wachsen fortlaufend neue Sprosse nach. Einige kultivierte Sorten können bereits an einjährigen Trieben Früchte bilden.
Die Stängel sind mit feinen Borsten oder schwachen Stacheln besetzt. Botanisch handelt es sich um Stacheln und nicht um Dornen, da sie aus oberflächlichem Gewebe hervorgehen und sich vergleichsweise leicht ablösen lassen.
Die wechselständig angeordneten Blätter sind meist aus drei bis sieben einzelnen Fiederblättchen zusammengesetzt. Ihre Ränder sind gesägt. Besonders auffällig ist die weißliche bis grauweiße, filzig behaarte Blattunterseite.
Die weißen Blüten sind relativ klein und besitzen fünf Kronblätter. Diese stehen meist aufrecht und fallen optisch weniger auf als die deutlich sichtbaren Staubblätter. Nach dem Aufblühen sind die Kelchblätter zurückgeschlagen. Die Hauptblütezeit liegt in Deutschland ungefähr zwischen Mai und Juli.
Früchte
Obwohl die Himbeerfrucht umgangssprachlich als Beere bezeichnet wird, ist sie botanisch keine echte Beere. Sie besteht aus zahlreichen kleinen Steinfrüchten, die gemeinsam auf dem Blütenboden sitzen. Deshalb wird sie als Sammelsteinfrucht bezeichnet.
Bei der Ernte löst sich die reife Sammelfrucht vom kegelförmigen Blütenboden. Dadurch bleibt im Inneren der Himbeere ein Hohlraum zurück. Dieses Merkmal unterscheidet sie unter anderem von der Brombeere, deren Blütenboden gewöhnlich mit der Frucht verbunden bleibt.
Arzneilich verwendeter Pflanzenteil
Arzneilich genutzt werden die getrockneten Laubblätter der Himbeere. Die Drogenbezeichnung lautet:
Himbeerblätter – Rubi idaei folium
Nach der Arzneibuchdefinition werden die Blätter im Frühjahr oder Frühsommer gesammelt und anschließend getrocknet. Sie können unzerkleinert oder geschnitten in den Handel gelangen.
Handelsware stammt sowohl aus Kulturen als auch aus kontrollierten Wildsammlungen. Traditionell liegen wichtige Herkunftsgebiete in Mittel- und Osteuropa. Die tatsächliche Herkunft sollte anhand der Angaben des jeweiligen Lieferanten geprüft werden.
Inhaltsstoffe
Himbeerblätter enthalten vor allem Gerbstoffe. Dazu gehören insbesondere Gallotannine und Ellagitannine. Daneben kommen verschiedene Flavonoide und weitere phenolische Pflanzenstoffe vor.
Der Gerbstoffgehalt wird als wesentliche Grundlage der zusammenziehenden, fachsprachlich adstringierenden Eigenschaften der Blätter angesehen. Ein gesicherter klinischer Wirksamkeitsnachweis lässt sich daraus allein jedoch nicht ableiten.
Medizinische Bewertung
Bewertung durch das HMPC
Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur hat bestimmte Zubereitungen aus Himbeerblättern als traditionelle pflanzliche Arzneimittel bewertet.
Die Einstufung beruht auf langjähriger Verwendung. Sie ist nicht mit einem Wirksamkeitsnachweis durch hochwertige klinische Studien gleichzusetzen. Das HMPC weist ausdrücklich darauf hin, dass nur wenige Laboruntersuchungen und keine ausreichenden klinischen Studien vorliegen.
Die Monografie nennt drei traditionelle Anwendungsgebiete:
Linderung leichter menstruationsbedingter Krämpfe
symptomatische Behandlung leichter Entzündungen im Mund- und Rachenraum
symptomatische Behandlung leichter Durchfälle
Diese Anwendungsgebiete gelten nur für die jeweils in der Monografie beschriebenen Zubereitungen.
Bewertung durch die Kommission E
Die Kommission E veröffentlichte für Himbeerblätter keine positive Anwendungsmonografie. Die damals verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse reichten nicht aus, um eine Wirksamkeit in den untersuchten Anwendungsgebieten zu belegen.
Da zugleich keine konkreten Risiken festgestellt wurden, wird diese Bewertung häufig als Nullmonografie bezeichnet. Daraus folgt weder ein Wirksamkeitsnachweis noch die Aussage, dass jede beliebige Anwendung sicher ist.
Traditionelle Anwendung nach Zubereitungsform
Bei leichten Menstruationskrämpfen
Für Menstruationskrämpfe nennt die HMPC-Monografie ausschließlich einen wässrigen Trockenextrakt mit einem Drogen-Extrakt-Verhältnis von 4:1.
Die Einzeldosis beträgt für Erwachsene 113 bis 226 Milligramm Trockenextrakt. Sie kann bis zu drei- oder viermal täglich nach den Mahlzeiten eingenommen werden.
Diese Dosierung gilt nur für den in der Monografie beschriebenen Extrakt. Die Anwendung von Himbeerblättertee bei Menstruationskrämpfen ist von dieser Bewertung nicht umfasst.
Bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum
Für einen Aufguss nennt die HMPC-Monografie 1,5 bis 8 Gramm zerkleinerte Himbeerblätter auf 150 Milliliter kochendes Wasser. Die Zubereitung kann von Erwachsenen dreimal täglich zum Spülen des Mundraums oder zum Gurgeln verwendet werden.
Die Flüssigkeit muss vor der Anwendung ausreichend abgekühlt sein und sollte nicht heruntergeschluckt werden, wenn sie ausschließlich zur örtlichen Anwendung bestimmt ist.
Bei leichtem Durchfall
Für Erwachsene nennt die HMPC-Monografie einen Teeaufguss aus 1,5 bis 8 Gramm zerkleinerten Himbeerblättern und 150 Millilitern kochendem Wasser. Der Aufguss kann dreimal täglich getrunken werden.
Die in der Vorlage genannte Tagesdosis von sechs bis acht Gramm stimmt nicht unmittelbar mit der Bandbreite der HMPC-Monografie überein. Für Fertigarzneimittel und Arzneitees sind deshalb die Dosierungsangaben der jeweiligen Packungsbeilage maßgeblich.
Zubereitung eines Aufgusses
Die abgewogene Menge zerkleinerter Himbeerblätter wird mit etwa 150 Millilitern kochendem Wasser übergossen. Der Aufguss bleibt für eine angemessene Ziehzeit bedeckt stehen und wird anschließend abgeseiht.
Eine allgemein verbindliche Ziehzeit von genau zehn Minuten wird in der HMPC-Monografie nicht festgelegt. Bei einem Fertigarzneitee gelten die Zubereitungshinweise auf der Verpackung.
Dauer der Anwendung
Bei leichten Menstruationskrämpfen oder Entzündungen im Mund- und Rachenraum sollte ärztlicher oder pharmazeutischer Rat eingeholt werden, wenn:
die Beschwerden länger als eine Woche bestehen
die Beschwerden während der Anwendung zunehmen
ungewöhnlich starke Schmerzen oder weitere Symptome auftreten
Bei Durchfall ist eine medizinische Abklärung erforderlich, wenn:
die Beschwerden länger als drei Tage anhalten
sich der Zustand verschlechtert
Blut im Stuhl auftritt
der Durchfall wiederholt auftritt
Fieber, starke Schmerzen oder deutliche Kreislaufbeschwerden hinzukommen
Bei Durchfall ist außerdem auf eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten zu achten.
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen
Die HMPC-Monografie beschränkt die genannten Anwendungen auf Erwachsene. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren liegen keine ausreichenden Daten vor. Eine medizinische Anwendung wird für diese Altersgruppe deshalb nicht empfohlen.
Schwangerschaft und Stillzeit
Die Sicherheit von Himbeerblätterzubereitungen während der Schwangerschaft und Stillzeit ist nicht ausreichend belegt. Die HMPC-Monografie empfiehlt die Anwendung in diesen Zeiträumen deshalb nicht.
Das gilt auch für die verbreitete Verwendung von Himbeerblättertee zur Vorbereitung auf die Geburt. Dieses Anwendungsgebiet ist nicht Bestandteil der HMPC-Monografie. Die vorhandenen Studien reichen nicht aus, um einen verlässlichen Nutzen oder eine sichere Dosierung zu bestätigen.
Schwangere sollten Himbeerblättertee daher nicht eigenständig als „geburtsvorbereitendes“ Mittel verwenden. Eine Anwendung sollte, wenn überhaupt, nur nach individueller Rücksprache mit der betreuenden Hebamme sowie der Ärztin oder dem Arzt erfolgen.
Gegenanzeigen
Himbeerblätterzubereitungen dürfen nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen Himbeerblätter oder einen anderen Bestandteil des jeweiligen Arzneimittels bekannt ist.
Ungewöhnlich starke, neu auftretende oder wiederkehrende Menstruationsbeschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden, statt sie über längere Zeit selbst zu behandeln.
Nebenwirkungen
Zum Zeitpunkt der HMPC-Bewertung waren keine Nebenwirkungen bekannt. Diese Aussage bedeutet nicht, dass unerwünschte Reaktionen sicher ausgeschlossen sind.
Treten während der Anwendung Beschwerden oder Überempfindlichkeitsreaktionen auf, sollte die Anwendung beendet und fachlicher Rat eingeholt werden.
Wechselwirkungen
In der HMPC-Monografie sind keine Wechselwirkungen dokumentiert. Systematische Untersuchungen zu möglichen Wechselwirkungen liegen jedoch nicht in ausreichendem Umfang vor. „Keine bekannt“ ist daher nicht gleichbedeutend mit „sicher ausgeschlossen“.